Mühlenrecht

De och erst to der mölen komet, de scal erst malen.
Eike von Repgow, Sachsenspiegel (um 1230)

Das Mühlenrecht befasst sich grob gesagt mit zwei Fragen:
Wer darf wo eine Mühle errichten und
wer darf/muss wo zu welchen Konditionnen sein Mehl mahlen lassen.

Bau: Zur ersten Frage kann gesagt werden, dass das Recht zur Errichtung einer Mühle ursprünglich ein königliches Regal (Jura Regalia) war. Dieses geht im 15. Jahrhundert in die Hand des Landesherren über.

So werden mit Anlegung einer Wassermühle oft Interessen dritter negativ berührt, so z.B. Beeinträchtigung der Schifffahrt, von Wegen und Nutzflächen. Diese Problemtik ist Privatrechtlich kaum zu lösen, so dass hier Gemeinwohl über Einzelinteressen gestellt werden muss.

Durch Rechtsabtretungen der Landesherren hauptsächlich im 12. bis 14. Jahrhundert an adelige Grundbesitzer oder Lübecker Bürger, die aber vielerorts mehrere Jahrhunderte danach nicht mehr belegt werden konnten, hat sich eine sehr unübersichtliche Rechtslage ergeben, an deren Klärung die "Ritter und Landschaft" (die Vertretung des Adels) nicht interessiert war, so dass diese Frage letztendlich bis zur Gewerbefreiheit nicht gelöst wurde.

Mühlenstau: Ein ähnlich großes Streitpotenzial boten die Stauungen der Wassermühlen. Ohne vereinbarte Staumale kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen wegen der überfluteten, andersartig genutzten Flächen. Die Müller waren stets bemüht ein Maximum an Stauvolumen zu erreichen, die Anrainer hingegen sahen sich dadurch um ihre Erlöse aus den betroffenen überfluteten Flächen geprellt. Durch die politische Zersplitterung des Herzogtums wurde dies oft sogar zur Staatsangelegenheit und trieb kuriose Blüten (s. Krummesse, Ritzerau).

Pachtzins – Prolongation: Ein weiteres Konfliktfeld bot der Umstand, dass fast alle Mühlen Pachtmühlen waren. So gab einerseits die Unterhaltung des Baus und andererseits die Pacht selbst oft Grund zu Auseinandersetzungen zwischen Eigner und Pächter. Die Pacht wurde von den Müllern meist als drückend empfunden und es gab viele Gründe, weshalb man die ursprünglich ausgemachte Pachtsumme verringern wollte. Der Eigner wiederum wollte Investitionen in die Mühlenanlage naturgemäß nur gewinnbringend tätigen. Die Pachzeit betrug im allgemeinen 6 Jahre (ab 1699 für die Amtsmühlen festgeschrieben).

Mahlzwang: Der Mahlzwang regelt die Zugehörigkeit zu einer Zwangsmühle / Bannmühle (s.a. Zwangsmahlbezirke) und die damit verbundenen Auflagen. In der Regel war der Mahlgast gezwungen 24 Stunden zu warten bis er an die Reihe kam. Wenn die Wartezeit darüberhinaus ging, war er berechtigt eine Mühle seiner Wahl aufzusuchen. Um die Wartezeiten für die Mahlgäste angenehmer zu gestalten, verfügten die meisten Mühlen über Schankrechte und Sonderfällen sogar über Braurechte.

Mahllohn: Die Matte oder auch Metze genannt, ist die Abgabe vom Korn, der Mahllohn des Müllers. Im Lauenburgischen betrug die Matte im allgemeinen 1/16 (ab 1699 für alle Amtsmühlen festgeschrieben) auf einen Scheffel des Mahlgutes, dass sogenannte „Ratzeburgische Maß“. Aber auch im benachbarten Lüneburg wurde ein 1/16 berechnet, allerding hier nach Braunschweiger Maß, in Holstein (Trenthorst) 1/12 und im von Lübeck und Hamburg verwalteten Amt Bergdorf nur 1/20 des Scheffels. In Scheffeln konnte die Metze nicht angegeben werden, da selbst innerhalb Lauenburgs unterschiedliche Scheffelmaße bestanden, so z.B. neben dem allgemeinen Ratzeburger Scheffel, der Möllner Scheffel und Lübecker Scheffel.


Meist waren diese Maße Kupferbecher, die vom Amt gestempelt waren, um sie eindeutig als Landesmaß kenntlich zu machen. Diese kupfernen Matten/Metzen werden 1691 unter der Hannoverschen Regierung eingeführt, vorher waren es meist eiserne (s. Inventarien Anker, Müssen u.a.). Ob sich damit auch die Matte auf 1/16 geändert hat, ist nicht klar, da keine ältere Mattenangabe überliefert ist. Die Matte wurde mit einem Hohlmaß gemessen, da das Gewicht von Getreide je nach Feuchtigkeitsgrad und Getreideart variieren kann. Die einbehaltene Matte wurde in einer gesonderten sogenannten Metz- oder auch Mattkiste aufbewahrt (s. Anker/Schönberg).

In der Grönauer Mühle wurde, da die Mahlgäste fast ausschließlich nur Handwerker waren, "statt der Matte von einem Lübeckischen gestrichenen Scheffel Rocken ein Mahlgeld von einem Dreiling, dem 4. Teil eines Schillings erhoben."

Mattenfreiheit: also die Verpflichtung des Müllers unendgeldlich zu mahlen, war ein besonderes Privileg, das naturgemäß dem Mühleneigner zu Teil war.
1357 sichert Segebodo Crispin bei der Verpachtung seines Hofes Grönau dem Pächter Dietrich Goldensee die Mattenfreiheit auf der Grönauer Mühle zu.

Aber diese konnte z.B. auch vom Herzog für besondere Verdienste verliehen werden. So z.B. erhält Mathias von Klöden, Jägermeister 1562 zum Dank für seine Dienste von Herzog Franz die Mattenfreiheit auf der Labenzer Mühle.

Auf der Lauenburger Palmmühle waren aber auch der Drost, der Amtmann, derselbe als Brauereipächter, der 2. Beamte und Pächter des Haushalts sowie der jeweilige König der Schützengilde von der Matte befreit.

Die lauenburgischen Pastoren waren, wie aus einem Schreiben des Konsitoriums aus dem 18. Jahrhundert hervorgeht, grundsätzlich Mattenfrei, dies galt aber scheinbar nur für die Amtsmühlen (s. Sarnekow). Allerdings gab es hier einen Graubereich, der häufiger zu Auseinandersetzungen mit den Müllern führte. So beanspruchte z.B. auch die Siebenbäumer Pastorenwittwe Reimers 1708 weiterhin dies Privileg und beschwert sich beim Steinhorster Amtmann über den Bodener Müller Hinrich Schnor, der ihr dies Recht wohl verweigerte.

Aber auch die Hausleute Claus Soltau und Henrich Voss, die 1741 das Berkenthiner Predigerwittwenhaus bewohnen, sind der Meinung, dass das Recht der Mattenfreiheit mit der Hausstelle verbunden sei. Ihnen wird aber unter Strafandrohung bedeutet, dass sie selbstredend zur Ankerschen Mühle verpflichtet sind.



EU - Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) 2000/60:

Mühlen sind technische Anlagen, mit stillstehenden Teichen, die Flora und Fauna verändern – Betroffen von dieser Richtlinie ist eine Jahrtausende alte Kulturlandschaft entlang der Flussläufe. Die Regulierung der Wasserläufe zur Nutzung der Wasserkraft besteht aus gewachsenen historischen Systemen, welche sich im Mittelalter stetig entwickelten und erst in der Neuzeit mit dem Beginn der Industrialisierung an Bedeutung verloren. Die Wiederentdeckung der Kulturlandschaften steht im Gegensatz zu den Renaturierungsmaßnahmen. Die Rettung dieses kulturellen Erbes ist deshalb ein Wettlauf mit der Zeit.

Das Beispiel Hamburg

Das Beispiel von Hamburg, zeigt, wie noch heute bedeutende Teile des Stadtbildes auf die Geschichte der Mühlen zurückzuführen sind. Hamburg wird deshalb sicherlich nicht die aufgestauten Mühlenteiche der Außen- und Binnenalster zurückbauen. Mit der Stadtgründung von Hamburg wurde auch gleichzeitig eine Mühle errichtet für die notwendige Versorgung der Bevölkerung. Hierfür war die Anstauung der Alster erforderlich. Durch den Bevölkerungszuwachs erfolgte später noch die Errichtung einer zweiten Mühle mit einer weiteren Anstauung der Alster. Der Jungfernstieg ist ein ehemaliger Mühlendamm!






Privilegien des Müllers
Aber auch die Müller hatten nicht nur Pflichten. Zwar galt ihr Stand als Ehrenrührig, weil man oft ihren Wohlstand, der ja vermeindlich nur aus Mattenbetrug herrühren konnte, neidete und die Mühlentechnik für Teufelswerk hielt.

So stand doch dem Müller in vielen Lauenburgischen Kirchengemeinden das Recht zu, in der Kirche begraben zu werden und zudem ein Anspruch auf die besten Plätze in den Kirchenstühlen.