Ritzerau um 1900

Windmühlen

Die erste Windmühle in Deutschland ist 1222 auf der Stadtmauer von Köln nachgewiesen, allerdings ist nicht klar, ob es sich bei diesem Bau um eine Bockmühle oder um eine gemauerte Turmmühle handelte. Zwölf Jahre später, 1234 wird auch schon in Schleswig-Holstein eine Windmühle in Zusammenhang mit einer Schenkung an das Kloster Uetersen genannt.  


Die erste im Kreis Lauenburg nachgewiesene Windmühle ist die des Brigittenkloster Marienwolde bei Mölln. Die Windmühle, allerwahrscheinlichkeit eine Bockmühle, wurde 1522 ein Raub der Flammen, so dass sich die Priorin des Klosters entschied, noch im selben Jahr eine Wassermühle am Abfluß des Marienwolder Sees zu bauen. Über das Alter dieser Windmühle kann keine Angabe gemachen werden. Doch schon 1445 hatte das Kloster Marienwohle die Dörfer Dargow, Eckhorst (wüst) und Niendorf, alle am Schaalsee gelegen, mit dem Recht auf diesen Feldmarken Mühlen zu bauen, erworben, womit eigentlich nur Windmühlen gemeint sein konnten, denn die Topografie dieser Feldmarken macht die Anlage von Wassermühlen nicht sinnvoll. So kann man davon ausgehen, dass es in Lauenburg sicherlich schon früher Windmühlen gab.

Im Land Hadeln, das früher ebenfalls zum Herzogtum Lauenburg gehörte, ist schon 1459 die Kuhlenmühle in Otterndorf und 1504 die Nordermühle, eine Windmühle in Osterbruch,  nachgewiesen. Im benachbarten Lübeck sind bereits 1281 vier Windmühlen zu finden und als am 20. April 1394 Otto von Ritzerau Bergrade an Vromold Warendorf samt zweier Wassermühlen verkauft, wird diesem auch das Recht zugestanden, dort nach Bedarf eine Windmühle zu errichten. UBStHL 4,605.

   Bochwindmühle um 1700

Ein Grund für die im Dunkel liegende Geschichte der Windmühlen in Lauenburg vor 1500 wird vermutlich die unbedeutende Größe dieser Bauwerke sein. Denn die ersten Windmühlen hatten eine Flügelspannweite von wenigen Metern und auch nur eine geringe Höhe und deshalb schon wenig Ähnlichkeit mit den Windmühlen, die vor unserem geistigen Auge erscheinen. Dazu kommt, dass diese ersten Windmühlen wie auch ihre Nachfolger aus Holz waren und somit ohnehin nur eine kurze Lebensdauer hatten.

Die nächste bekannte Windmühle war die Windmühle in Zecher. Diese ließ Herzog Magnus ca. 1570 zum Missfallen des Besitzer, Barthold von Parkenthins wieder abbauen und im Lande Hadeln neu aufrichten. So sah sich Barthold von Parkenthin 1584 genötigt eine neue Windmühle zu bauen. Diese Bockwindmühle ist auch auf der Schaale-Karte von Daniel Frese 1587 verzeichnet. Dieser Mühle folgt dann spätestens 1579 die Bockwindmühle oberhalb der Palmmühle (damals noch Wulfsmühle genannt) in Lauenburg und die Windmühle zu Tüschenbek ca. 1580 von Heinrich Rantzau errichtet.

1623 bemüht sich Ulrich von Wackerbart auf  Kogel um Konsens mit dem Herzog wegen einer Windmühle. Und drei Jahre später, 1626, erlaubt Herzog August von Lauenburg dem damaligen Besitzer von Stintenburg, Kurt von Bülow, eine neue Windmühle zu erbauen, nachdem die frühere verfallen war. So wird man vermuten dürfen, dass auch hier schon um 1600 eine Windmühle existiert hat.

Barthold von Parkenthins Windmühlenbau von 1584 bedeutet eine Zäsur in der lauenburgischen Mühlengeschichte. Als diese Mühle im besagten Jahr fertiggestellt wurde, blieben die Bauern von Zecher und Seedorf bei der herzoglichen Malzmühle in Ratzeburg aus. Der Herzog, der nicht auf diese Matten verzichten wollte, befahl daraufhin Parkenthin seine Mühle in Zecher wieder abzureißen, da ihm keine Genehmigung dafür erteilt worden war. Dies schien Parkenthin aber nicht gerecht, denn Heinrich Rantzau, auf Tüschenbek und auch Otto Lützows Wassermühle bei Thurow waren ja auch ohne Konsenz des Herzogs errichtet worden, außerdem hatte diese Mühle auch schon einen Vorgänger, den Herzog Magnus nach Hadeln hatte verbringen lassen. Doch all seine Einwände halfen nichts. Der Herzog hatte die Angelegenheit zur Begutachtung an die Juristischne Fakultäten der Universitäten Rostock, Helmstedt und Leipzig weitergeleitet und widersprüchliche Rechtsbelehrungen erhalten.

Groß Grönau um 1590, oben die Tüschenbeker Windmühle, rechts darunter die Papiermühle am Blankensee und im Vordergrund rechts die Grönauer Wassermühle

Man entschied sich offensichtlich für die Rechtsvariante, dass nur eine Mühle gebaut werden könne, wenn der Landesherr dazu die Genehmigung erteile. Mit Ausnahme der Standorte auf denen schon seit Alters her eine Mühle stünde.  Es scheint aber, dass sich Parkenthin trotzdem noch gütlich mit dem Herzog einigte und die Mühle behalten durfte, denn 1633 ist der erste Müller in Zecher nachgewiesen.  

Erst am Anfang des 18. Jahrhundert zeichnet sich in Lauenburg eine neue Windmühlenära ab (s.a. Niedergang Wassermühlen). Der angestiegenen Kornproduktion konnten die bisherigen Zwangsmühlen nicht mehr entsprechen. Die Wartezeiten wurden zu lang und die Bauern versuchten mit allen Tricks ihre eigene Zwangsmühle zu umgehen um günstiger und schneller an ihr Mehl zu gelangen. Aber auch die königliche Regierung im fernen London war progressiver und Innovationen mehr zugetan als die bisherigen Herzöge. Vielen Gutsherren wurde nun ab ca. 1710 der Bau von Windmühlen gestattet. So finden sich in Niendorf/St. (1712), Schenkenberg (ca. 1720), Bliestorf (ca. 1720), Tüschenbek (1717), Krummesse (1727), Kastorf (1751), Gr. Thurow (1752) Müssen (ca. 1750) und vieler andern Orts neue Windmühlen. Aber auch die königliche Regierung rüstete auf, so in Labenz (1741) und auch Lübeck in Ritzerau (1741). In den folgenden Jahren kommt hier und da eine Windmühle hinzu, so dass 1855 rund 25 Windmühlen im heutigen Kreisgebiet gezählt werden konnten.  Die letzte Blüte erfolgt dann zwischen 1870-1880 bedingt durch die Aufhebung des Mühlenzwanges 1869/1873 und günstigen Bedingungen am Kapitalmarkt. Dazu kommt ein enormer Produktionsanstieg in der Landwirtschaft, der höhere Mahlkapazitäten von Nöten machte.