Grande um 1910

Wassermühlen

Wann die erste Wassermühle in Lauenburg gebaut wurde wird wohl immer ein Geheimnis bleiben, aber man kann davon ausgehen, dass spätestens in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts mit der deutschen Besiedlung auch der Mühlenbau ins Land kam. Schon im Lehnbrief, den Heinrich der IV. im Jahre 1062 Herzog Otto von Sachsen ausstellte, ist die Rede von molis und molendinis, von Mühlen und Mahlgut.

Die urkundliche Mühlengeschichte Lauenburgs beginnt mit der ersten Nennung des Dorfes Mühlenrade 1238. Es wird zwar keine Mühle in dieser Urkunde erwähnt, aber der Ortsname läßt keinen Zweifel daran, dass dies Dorf auf einer Rodung nahe einer Mühle entstanden sein muss. Zwei Jahre später 1240 wird dann die Mühle von Ritzerau erstmals genannt, es folgen Grinau 1263, Mölln 1278, Ratzeburg 1294, Grande 1303, Lauenburg 1306. Die städtischen Mühlen stehen zwar urkundlich nicht am Anfang, haben aber wie auch einige andere Mühlen mit großer Wahrscheinlichkeit schon im späten 12. Jahrhundert bestanden.

1230 Das Bistum Ratzeburg und die Stadt Lübeck wollen auf der Hertogenbeke (heute Stadtgraben) vielleicht eine neue Mühle bauen. UBHStL 1,48

1281 hat Lübeck neben einigen Wassermühlen schon 4 Windmühlen.
Zur Anlegung von Wassermühlen braucht Lübeck die Genehmigung des Kaisers, da Flüsse öffentlich sind und somit sind die Mühlen Abgabenpflichtig an die Krone; die Genehmigung der Herzöge von Sachsen-Lauenburg wegen der überschwemmten Flächen.
s. Zeitschrift für Lübecker Alterthumskunde Bd. 6, S. 221 Die Aufstauung der Wakenitz und die städtischen Wassermühlen.


Niedergang der Wassermühlen

Mit zunehmender landwirtschaftlich genutzter Fläche, bedingt hauptsächlich durch die Verkoppelung des 18. Jahrhunderts, begannen sich die Verhältnisse für die Wassermühlen dramatisch zu verschlechtern. Die Wälder wurden zurückgedrängt und weitläufig gerodet, Brachflächen kultiviert, Moore und Sümpfe trockengelegt. Allerorts wurden Gräben zur Abgrenzung und Entwässerung gezogen und auf viele Fischteiche verzichtet, um zusätzliche Weideflächen zu gewinnen. Dadurch ging die Schwammwirkung dieser nun zerstörten Ökosysteme verloren und dies führte zur starken Beeinträchtigung der Wasserversorgung der Mühlen.

Die neu gewonnenen Anbauflächen und die Intensivierung der Bewirtschaftung führte paralell zu erhöhter Getreideproduktion, die wiederum einen Bevölkerunganstieg bedingte und eine erhöhte Mühlenkapazität von Nöten machte. Diese diametrale Entwicklung, Bevölkerungsanstieg und Wasserknappheit, konnte nur duch den Bau zusätzlicher Windmühlen kompensiert werden, da für die Anlegung neuer Wassermühlen keine weiteren topografischen Ressourcen vorhanden waren und der Wassermangel sogar zur Aufgabe vieler Wassermühlen führte (s. Ritzerau, Rondeshagen, Kastorf, Gr. Grönau, Hamfelde, Niendorf/St.).