Kornmühlen und Zwangsmahlbezirke

Um zu verstehen, wie es zu den einzelnen Gründungen der Kornmühlen kam, muss man Wissen, dass die Anlegung einer solchen ursprüngich ein Königliches Privileg war (s. Mühlenrecht). Die Notwendigkeit und Existenzsicherung einer Kornmühle steht in Abhängigkeit zum Einzungsgebiet. Dieses wird durch privatrechtliche wie politische Verhältnisse bestimmt. Darüberhinaus muss genügend Kapital aufgebracht werden, um den Mühlenbau zu finanzieren.

Aus diesen Abhängigkeiten ergab sich, dass es im Lauenburgischen bis zur Gewerbefreiheit 1869/1873 nur zu Mühlengründungen durch die Regierung, Städte, priviligierten Adeligen Grundbesitzern und der Kirche kam.

Hierbei machten nur die ehemaligen Lübschen Besitzungen eine Ausnahme. Diese wurden anfänglich von reichen Lübecker Kaufleuten erworben, die neben nötiger Kapitalkraft zum Bau einer Mühle auch über Kapital verfügten, die nötigen Privilegien zu kaufen. Da diese aber im 17. Jahrhundert ebenfalls in den Adelsstand erhoben wurden, unterschieden sie sich von da ab nicht mehr von den übrigen Landadeligen. Somit ist die mehrfach in der Literatur spekulativ angenommene "Bauernmühle" im Lauenburgischen nicht zu finden. Darüberhinaus ist es auch äußerst unwahrscheinlich, dass oben Angeführte je die Zustimmung zu privaten Mühlen gegeben hätten, hätten sie doch damit, auf die durch die Zwangsmahlbezirke gesicherten Einkünfte verzichtet.

Das heutige Kreisgebiet teilte sich grob gesagt zwischen dem 16. bis ins 19. Jahrhundert wie folgt auf:

4 Ämter
    Ratzeburg, Lauenburg, Schwarzenbek und Steinhorst (zeitweilig Holsteinisch)

    Die Ämter unterteilten sich in Amtsdörfern und Vorwerke.
    Vorwerke: Anker, Fredeburg, Klempau, Lauenburg, Mustin, Marienwohlde,
    Neuvorwerk (Ratzeburg), Franzhagen, Borstorf, Kittlitz, Kulpin, Salem
   
    Die Vorgänger der Ämter waren Vogteien. Zu den oben Genannten kommen folgende            Vogteien hinzu, die später in die obigen Ämter aufgingen.
    Schönberg, Anker, Mölln (s. dazu auch Lübsche Enklaven)

    vormals kirchlicher Besitz: Marienwohlde, Kühsen, Farchau

3 Städte
    Ratzeburg, Lauenburg, Mölln (zeitweilig Lübsch)

adelige Gutsbezirke
    1. Gruppe "Lauenburgische"
    Basthorst, Dalldorf, Goldensee, Gudow, Gülzow, Kogel, Kulpin, Lanken, Müssen,                 Niendorf/St., Niendorf/Sch., Sahms, Seedorf, Tüschenbek, Wotersen, Zecher
    bis 1945 auch: Stintenburg, Thurow

    2. Gruppe "Lübsche" (Reunion 1747)
    Bliestorf, Grinau, Schenkenberg (mit Rothenhausen), Kastorf, Rondeshagen (mit Gr.             Weeden), Klein Berkenthin

    3. Gruppe "Mecklenburgische" (an Lbg. 1945)
    Horst

Lübsche Enklaven
    1. Vogtei Behlendorf (1424 bis 1937)
    Behlendorf, Hollenbek, Albsfelde, Harmsdorf, Giesendorf

    2. Vogtei/Amt Ritzerau (1465 bis 1937)
    Düchelsdorf, Niendorf/bei Berkenthin, Nusse, Koberg, Poggensee, Ritzerau, Schretstaken,     Sierksfelde, Sierksrade, Tramm, Walksfelde, Woltersdorf

    3. vor 1747 auch:
    1/2 Breitenfelde, 1/2 Duvensee, 1/2 Siebenbäumen, Hornbek, Alt-Mölln

    4. Amt Bergedorf (gemeinsamer Besitz Hamburg und Lübeck 1420 bis 1937)
    Geesthacht, Besenhorst

Mecklenburgische Enklaven
   Mannhagen, Hammer, Panten, Ratzeburger Domkapitel

seit Grenzbereinigung von 1945
    Bäk, Mechow, Römnitz, Ziehten 

Vor der Reformation 1529/30 hatten die Klöster Marienwolde und Reinbek ebenfalls einen beträchtlichen Grundbesitz im Lauenburgischen, der dann in die Ämter aufging.

Aus dieser doch recht unübersichtlichen politischen Situation ergaben sich notwendigerweise die Gründungen bzw. Niedergänge der einzelnen Kornmühlen, sowie die Zusammensetzung der dazugehörigen Zwangsmahlbezirke, die wie diese ebenfalls in direktem Zusammenhang mit den politisch wechselnden Verhältnissen standen.

Die wichtigsten und auch größten Kornmühlen waren die Amtsmühlen, früher auch herzögliche oder königliche Mühlen genannt, sowie die städtische Mühle in Mölln.
1. Amt Lauenburg: Wulfs- / Palmmühle (Lauenburg), Brookmühle (Witzeeze), Neumühle (Franzhagen)
2. Amt Ratzeburg:  Malz-, Roggen-, Sandmühle (Ratzeburg), Anker, Grönau, Bornmühle (Krummesse), Klempau, Borstorf
3. Amt Schwarzenbek: Grande, Aumühle
4. Amt Steinhorst: Steinhorst, Labenz, Boden, Schönberg

Zu diesen Kornmühlen gesellten sich die der adeligen Güter. Bis auf Dalldorf und Niendorf am Schaalsee besaßen alle adeligen Gutsbezirke eigene Kornmühlen. Grinau, Klein Berkenthin, Groß Weeden und Sahms waren die meißte Zeit mit anderen Gutsbezirken vereint, so dass eine eigene Kornmühle meisst nicht von Nöten war.

Eine weitere Ausnahme in dieser Gruppe der adeligen Gutsbezirke machten die Güter Zecher, Kogel, Tüschenbek und Lanken. Diese Güter besaßen, jedenfalls nicht nachweislich, die Mühlengerechtigkeit, so dass hier Neugründungen im 16. bzw. 17. Jahrhundert zu Streitigkeiten mit den Lauenburgischen Regenten führten, aber letztendlich zu Gunsten der Adeligen entschieden wurden.

Die Lübschen Enklaven besaßen selbstredend ihre eigenen Kornmühlen. Hierzu gehörten Hollenbek (?), Behlendorf, Hornbek und Ritzerau, wobei Ritzerau als Verwaltungssitz auch die bedeutenste Mühle besaß. Der Streubesitz der Hansestadt Lübeck in Lauenburg führte zu kuriosen Mühlenzwängen, die aus heutiger und wie auch aus Sicht der damaligen Bauern äußerst unpraktisch, unbequem und unwirtschaftlichen waren. So mußten z.B. die Lübschen Siebenbäumer Bauern ihr Korn zur 12 km weit entfernten Ritzerauer Mühle fahren, obwohl doch z.B. die Kastorfer Gutsmühle nur 2 km entfernt war. Ähnlich erging es den Düchelsdorfern, Sierksrader und Duvenseer Bauern. Aber auch den Berkenthiner Amtsbauern war es schon zur Ankerschen Amtsmühle zu weit, so dass sie sich später vom Mahlzwang freikaufen durften (s.a. Karte Zwangsmahlbezirke)

Die Orte Geesthacht und Besenhorst waren nach Bergedorf bzw. auch zur Riepenburger Mühle zwansgverpflichtet. Dies erklärt sich aus dem Umstand, dass das ehemalige Amt Bergedorf wie die Riepenburg ab 1420 unter die gemeinsame Verwaltung der Hansestädte Hamburg und Lübeck fielen und Geesthacht und Besenhorst erst wieder 1937 an Lauenburg zurückgelangten.

Die mecklenburgischen Besitzungen wurden von Schönberg/Meckl. aus verwaltet und bildeten um die Mannhagener Kornmühle einen geschlossenen Zwangsmahlbezirk.

Erst mit Einführung der Gewerbefreiheit und Aufhebung der Zwangsmahlbezirke kam es zu einem sprunghaften Anstieg der Kornmühlen. Hierbei handelte es sich ausschließlich um Windmühlen, später auch durch Dampf oder Elektrizität angetriebene Mühlenwerke.