Aumühle im Sachsenwald 1859

Technik für Romantiker

"Das Rad an meines Vaters Mühle brauste und rauschte schon wieder recht lustig, der Schnee tröpfelte emsig vom Dache, die Sperlinge zwitscherten und tummelten sich dazwischen; ich saß auf der Türschwelle und wischte mir den Schlaf aus den Augen;
mir war so recht wohl in dem warmen Sonnenscheine.

Da trat der Vater aus dem Hause; er hatte schon seit Tagesanbruch in der Mühle rumort und die Schlafmütze schief auf dem Kopfe, der sagte zu mir: „Du Taugenichts! da sonnst du dich schon wieder und dehnst und reckst dir die Knochen müde und läßt mich alle Arbeit allein tun. Ich kann dich hier nicht länger füttern. Der Frühling ist vor der Tür, geh auch einmal hinaus in die Welt und erwirb dir selber dein Brot.“

Aus dem Leben eines Taugenichts
Joseph von Eichendorff



Haben wir heute eine sehr romantisierende Vorstellung von der Welt der Mühlen, rauschende Bächlein, unablässig drehende Wasserräder, der Mensch im Einklang
mit der Natur .... doch waren diese nur technische Einrichtungen zur Erleichterung von Arbeitsabläufen, die ersten Maschinen, die diese Bezeichnung auch verdienen.

Einklang: naja alles sehr relativ. Stellte doch jede Wassermühle in unserer Gegend
schon einen erheblichen Eingriff in die Landschaft und Umwelt dar. Dämme wurden gebaut, kleine Wasserläufe wurden zu großen Teichen fast Seen aufgestaut. Die heutige Sumpflandschaft der Wakenitz mit ausgedehnten Wasserflächen gäbe es ohne die Lübecker Mühlendämme nicht. Und Anfangs gingen die Stauungen soweit, dass die Holzbrücken nach Ratzeburg überflutet wurden und der Herzog seine Residenz bedroht sah. Zur katholischen Zeit (bis ca. 1530) gab es in unserem Land weit mehr Wasserflächen als heute, wozu die Mühlenteiche ihr übriges taten. Doch durfte nur dort gestaut werden, wo keine Beeinträchtigung der Schifffahrt möglich war. So dienten die meisten Teiche nicht nur als Wasserreservoir der Mühlen, sondern auch als Fischzuchtgewässer, die im Vergleich zu natürlichen Gewässern leicht zu bewirtschaften waren.

Leider führte das geringe Stauvermögen vieler Mühlenteiche zur Aufgabe der Mühlen,
so dass viele der ehemaligen Teiche heute nicht mehr erhalten sind. Natürliche Fließgewässer, die einen Mühlenbetrieb auch ohne Stau erlauben, sind in unserem
Land nicht zu finden.

Vielleicht wird man einmal auf heutige Wind- und Wasserkraftanlagen in künftigen Jahrhunderten ähnlich mit Wehmut zurückblicken.